Korbinian-Aigner-Gymnasium Erding

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Besuch von Ministerpräsident a. D. Reinhard Höppner – ein Rückblick auf den Weg zur Deutschen Einheit

 

Am 3. Oktober 2009 feierten wir den zwanzigsten Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands, die eines der bedeutendsten Ereignisse für unser Land im vergangenen Jahrhundert darstellt. Die Schülerinnen und Schüler kennen die DDR und die deutsche Teilung jedoch nur noch aus Berichten und ihren Lehrbüchern. Dies nahm die Fachschaft Sozialkunde in Kooperation mit dem Bayernforum der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Anlass, den 11. Klassen der Schule ein Gespräch mit dem hochkarätigen Zeitzeugen Dr. Reinhard Höppner zu ermöglichen, den die Schulgemeinschaft am 20.10.2009 zwischen 8:15 Uhr und 9:45 Uhr im Mehrzweckraum willkommen heißen durfte.

Der SPD-Politiker wuchs in Ostdeutschland auf, wurde Vizepräsident der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR und war von 1994 bis 2002 Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt. In seinem aktuellen Buch „Wunder muss man ausprobieren – Der Weg zur Deutschen Einheit“ verarbeitet der maßgebliche Mitgestalter der Deutschen Einheit seine Erfahrungen und zieht aufrichtig Bilanz: Was hätte auf dem Weg zur Einheit besser gelingen können? Oder ließ das Tempo der Veränderungen letztlich gar keinen Raum für Alternativen?

Reinhard Höppner las zuerst ca. 45 Minuten aus seinem Buch, wobei er immer wieder kleine Anekdoten und persönliche Erlebnisse einbaute, die die Geschehnisse neben allen Fakten und Daten auch auf einer menschlichen Ebene fassbar machten.

„Die Kirche war die einzige Organisation, die nicht dem Staat untergeordnet war. Hier konnte man Demokratie lernen“, erklärte der Zeitzeuge den Schülern und beschrieb eindrücklich das Leben in der Parteiendiktatur: „Man kann in einem Gefängnis von einer Wand zur anderen gehen und sich dabei ständig den Kopf einrennen. Man kann es sich aber auch wohnlich einrichten und versuchen, das Beste aus dem Ort zu machen, an den einen der Liebe Gott gesetzt hat.“ 

Höppner war nie Mitläufer, doch er dachte nicht an Flucht, sondern wollte die DDR zu einer demokratischeren Gesellschaft machen. Ein entscheidender Tag auf dem Weg zur Wiedervereinigung war für Höppner der 9. Oktober 1989, als in Leipzig 70 000 Menschen im Rahmen der friedlich verlaufenden Montagsdemonstration auf die Straße gingen, während er selbst am Friedensgebet im Magdeburger Dom teilnahm. Dort sprach er mit einem Jugendlichen, dessen Vater wenige Straßen weiter auf einem Militärlaster der in Alarmbereitschaft befindlichen Kampftruppen stand. „Hoffentlich begegnen wir uns nicht bei der Demonstration und mein Vater muss auf mich schießen!“ Dieser Satz des Jugendlichen zeigt, wie prekär die Situation in den letzten Wochen der SED-Diktatur war.

Den 9. November 1989, als Tausende über die Grenzen strömten, erlebte Reinhard Höppner schließlich am Fernseher. „Wahnsinn war das Wort dieser Nacht und Wunder muss man manchmal einfach ausprobieren – das habe ich in diesen Tagen gelernt.“ Mit solchen Worten ermutigte der Politiker die Jugendlichen zum verantwortlichen Handeln und dazu, für ihre Interessen und ihre Träume von einer lebenswerten Gesellschaft einzutreten.

Nach den eindrücklichen Schilderungen stellte sich der Zeitzeuge den Fragen der Schülerinnen und Schüler, erklärte, dass er wegen der Stasi vorerst nicht promovieren konnte und dass es sogar einen Versuch gab, ihn als Informellen Mitarbeiter anzuwerben. Dieses Problem löste der Pragmatiker, indem er jedem in seinem Umfeld davon berichtete und somit als „verdeckter Spitzel“ nicht mehr zu gebrauchen war. Auch das „Magdeburger Modell“ und das Verhältnis der SPD zur Linkspartei wurden von den Schülern kritisch hinterfragt.  

Schüler wie Lehrer waren begeistert von der Veranstaltung mit dem außerordentlich interessanten und glaubwürdigen Gast, die ein Beispiel dafür sein kann, wie Zeitgeschichte in der Schule lebendig wird.

 

Manuel Hock

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