Korbinian-Aigner-Gymnasium Erding

Sprachliches, naturwissenschaftlich-technologisches

und musisches Gymnasium

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Gruselige Deutschstunde

Am 20.1.2011 trafen sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7A in der Schulbibliothek des Korbinian-Aigner-Gymnasiums, um eine Deutsch-Stunde der besonderen Art zu erleben.
Ihr Klassenleiter, Manuel Hock, hatte den Erdinger Autor Nicolas Wachter eingeladen, der aus seinem lyrischen Hexenwerk „Walpurgisnacht“ lesen sollte. Die Siebtklässler überraschten ihren Gast zur Begrüßung jedoch damit, dass sie die ersten Verse seines Buchs auswendig vortrugen und eigene Fortführungen des Textes geschrieben hatten, von denen Nicolas Wachter sichtlich begeistert war.
Es folgte die fulminante Rezitation des Autors, der all die gespenstischen Gäste des großen Banketts auf Schloss Düsterstein durch das Verleihen authentischer Stimmen in der Phantasie seiner Zuhörer zu schaurigem Leben erweckte. So hingen die Kinder gebannt an Wachters Lippen und fragten sich, welches Schicksal wohl den alten Hexenmeister, Graf Grauenfels, beim Treffen der düsteren Kreaturen in der Nacht auf den 1. Mai ereilen würde.
Nach dem wunderbaren Vortrag diskutierten die interessierten Zuhörer noch eine halbe Stunde mit Wachter über dessen Leben und Arbeiten als Autor, seinen Hauptberuf als TV-Redakteur, über das Schreiben und die strenge lyrische Form seiner Texte. Hierbei gab Wachter zu, kein sehr guter Deutsch-Schüler gewesen zu sein, dennoch habe ihn sein Deutschlehrer in der 11. Klasse erst zum Schreiben gebracht. Während des Schreibprozesses, der auch einmal in der S-Bahn stattfinden kann, wechseln für den Autor Phasen der Arbeit am Text mit Zeiten der Muße, in denen sich Wachter von seiner Kreativität treiben lässt und nicht selten selbst darüber erstaunt ist, zu welchen Wendungen es in seinen Geschichten kommt.
So fand die Beschäftigung der Siebtklässler mit Metrum und Reim, Inhalt und Sprache von Versen in der Lesung einen lebendigen und begeisternden Höhepunkt, der zeigte, dass Gedichte keineswegs unzugänglich oder lebensfern sind.

von Nicolas Wachter:
Gierig greifen lange Schatten nach den letzten Lichterfetzen,
als bereits die ersten Ratten übers Kopfsteinpflaster hetzen.
Langsam steigt der Mond empor, taucht den Turm in fahlen Schimmer,
dichter Nebel kriecht durchs Tor, fern ertönt ein Wehgewimmer.
Tief in dem Gewölbekeller liegt des Grafen alte Gruft,
und die Fackeln leuchten heller, als Igor seinen Meister ruft.
„Wachet auf, oh mein Gebieter, zeigt uns eure Zauberkraft.
Beutelt eure alten Glieder – heute ist Walpurgisnacht!“

von der Klasse 7A:
Der Graf nun grummelt grausam: „Bereite meinen Besen vor!“
„Schnell mein Graf, es dämmert langsam, draußen vor dem großen Tor.
Unsren Besen werd ich holen, aus dem dunklen Kellerloch,
wo gelagert sind die Kohlen und die Eier für den Koch.“
Doch als der Graf nach draußen schaut, hat Igor ihn schon ausgelacht,
er ist´s, der ihm den Schlaf versaut, denn heut ist nicht Walpurgisnacht!
Er schüttelt seine müden Glieder, dann stürzt er sich mit Wehgeschrei
auf den armen Diener nieder. Für Igor ist die Nacht vorbei…

Manuel Hock

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